das projekt filzwanderweg

Der Filzkunstwanderweg im Rahmen des Viertelfestivals 2015

Der Filzkunstwanderweg war ein Projekt des Viertelfestivals NÖ 2015 in Kirchberg am Wechsel und von Juni 2015 bis Juni 2016 ausgestellt.

Er hat die aktuelle Verwertung der Rohwolle thematisiert - also die unmittelbare Entsorgung aus wirtschaftlichen Überlegungen -, und ihr das Potential des Werkstoffs Schafwolle für Kunst, Schönes und Praktisches gegenüber gestellt.

Der Weg hat über ca. 3 km durch einen idyllischen Wald geführt. Entlang des Weges wurden an zehn Stationen Filzkunstwerke gezeigt, die mit Kirchberger (und Aspanger) Kindern, SchülerInnen, Firmlingen, PfadfinderInnen, SeniorInnen, und auch Filzkünstlerinnen aus dem Wiener Raum gestaltet wurden.

Insgesamt waren um die 400 Menschen an der Errichtung des Weges beteiligt, im Alter von 3 bis 85 Jahren. Der Filzkunstwanderweg war ein durchwegs gelungenes regionales Projekt und hat in der Region viele Filzfans hervorgebracht.

Auch der ORF hat zweimal über das Projekt berichtet, einen Film dürfen wir hier zeigen.

Schönheit, Tourismus, Pädagogik, Nachhaltigkeit

Die Idee zu dem Weg war nicht neu: 2003 hat das Ehepaar Winkler in Tisens in Südtirol mit einem Filzkunstwanderweg die Wertschätzung der Schafwolle wecken wollen. Das ist ihnen seither mehr als gelungen. Es gibt wieder kleine Betriebe, die Wolle kämmen, färben und verarbeiten, der Weg ist ein vielbesuchtes touristisches Ziel und in Lana floriert ein wunderschönes Geschäft, das die hergestellten Produkte verkauft.

Herr Winkler hat mir damals nicht nur erlaubt, die Idee zu kopieren, er hat mich geradezu ermutigt, es unbedingt umzusetzen, weil die Wolle mit allen Auswirkungen auch immer mehr Menschen anzieht - im weitesten Sinn.

Zusätzlich gab es Informationen rund um das Schaf, Schafrassen, Wollqualitäten und -Verarbeitungsschritten.

Schafwolle ist ein wertvoller Rohstoff

Dieses besondere Projekt hat mich gefunden in Gestalt von vielen Angeboten von Rohwolle hier in der Region Wechselland. Seit 2011 wohnen wir in Kirchberg am Wechsel, und wann immer ich als Filzerin auftrete, ob in Kursen oder Ausstellungen, höre ich, dass der mir wertvolle Rohstoff entsorgt werden muss.

Warum? Die Infrastruktur zur Wollverarbeitung ist seit über 50 Jahren der Baumwolle und der Globalisierung gewichen. Das Wissen um Schafrassen und die einzelnen Arbeitsschritte stirbt aus. Wer Rohwolle verkaufen will, bekommt zu wenig, als dass sich der Aufwand des Sammelns und Lagerns lohnen würde.

Im Sommer 2014 habe ich Toni Krenn, einer jungen Bäuerin mit Schafen am Teufelshügel in Kirchberg, gezeigt, was aus ihrem Woll-Abfall so alles werden kann. Ihre Begeisterung hat mich darin bestärkt, das Projekt Filzkunstwanderweg beim Viertelfestival der Kulturvernetzung NÖ 2015 einzureichen, um so auf den wertvollen Rohstoff Wolle und seine Möglichkeiten hinzuweisen.

Mehr zu Schaf und Wolle lesen

Isabella Scherabon

Im Bild Station 8: das Insektenhotel von Barbara Füreder, Filzkünstlerin mit Diplom der Angewandten in Wien.