MENSCH. UND JETZT.

Sich malerisch durch die Kunstgeschichte zu bewegen ist ziemlich spannend. Über das Nachempfinden des Pinselstrichs bei Höhlenzeichnungen, Pharaonen, Stadtstrukturen, Denkern, Kriegsopfern, über Materialien und Malweisen, bekomme ich einen sinnlichen Einblick, eine Ahnung von Bewusstseinsausrichtungen, von Sprüngen und Verwerfungen.

Wir Menschen haben uns ausgehend von einem vorbewussten Eingebundensein in die Natur erstmals auf Felswänden ausgedrückt, durch Ritzungen in Stein, und urtümliche Knochenflöten. Riesige Steinbauten, die bis heute nicht erklärt werden können, markieren die Wende zu den großen Siedlungen, zu Viehzucht, Sesshaftigkeit und sozialen Ungerechtigkeiten, die bis heute andauern. Mythische Erzählungen spüren dem Ursprung des Mensch-Seins, Göttern, dem menschlichen Geist nach.

Mit der griechischen Antike löst sich der Mann aus dem mythischen Gewebe und bahnt sich zornig und entschlossen mit der Kraft des Denkens seinen Weg. Ab der Renaissance machen wir uns die Erde endgültig untertan. Wir rationalisieren, zerteilen, erforschen und industrialisieren Handwerk, Transport, Kommunikation, Kriege, bis wir heute in der digitalen Revolution Technologie bis in unser Innerstes, unter die Haut, tragen lassen.

Kunst hat alle diese Schritte begleitet und aufgezeichnet. Vielleicht kann Kunst heute das Menschsein hochhalten, bevor es sich – wie Autoren wie Yuval Noah Harari düster prophezeien – endgültig in der Maschinenwelt auflöst.

Zum Weiterlesen: Die Serie MENSCH. UND JETZT. wird im Katalog zur Ausstellung mit allen historischen Hintergründen, Kunstwerken, Zeitleisten ausführlich dargestellt.

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